Mont-Blanc im Blick, Colombière in den Beinen

Schöne Abfahrten als verdiente Belohnung nach jedem Höhenmeter

Von Le Biot nach Flumet
108 km mit 2900 HM 

Gefahrene Pässe:

Nach der gestrigen Begegnung mit dem Alpennordrand sind wir heute tiefer in die Hochalpen eingetaucht – mehr oder weniger auf der legendären Route des Grandes Alpes. Den eher braven und vielbefahrenen Col des Gets haben wir kurzerhand links liegen lassen und stattdessen den deutlich spektakuläreren Col de Joux-Plane (1700m) eingebaut.

Der zweite Etappentag brachte etwas mehr Routine in unsere Abläufe, auch wenn noch Luft nach oben bleibt. Luft nach oben – aus Radfahrersicht – galt auch fürs Frühstück, das von unserer sehr freundlichen britischen Gastgeberin eher klassisch französisch ausfiel: Kaffee, Baguette, Marmelade. Charmant, aber für geplante 3000 Höhenmeter eher ein Aperitif als eine belastbare Grundlage.

Die ersten Kilometer entlang der Dranse rollten locker dahin, 

bis es in Morzine – bekannt aus unzähligen Tour-de-France-Etappen – ernst wurde. 

Von hier startet der Col de Joux-Plane (1.691 m), einer der giftigeren Anstiege der Region: rund 11,6 km mit etwa 8,5% im Schnitt, garniert mit Rampen jenseits der 10%.

 Offiziell führt die Straße auch über den Col de Ranfolly (1.658 m), den man quasi im Vorbeifahren einsammelt. Oben angekommen wurden wir mit einem Postkartenblick auf das Mont-Blanc-Massiv belohnt – schneebedeckt und ziemlich beeindruckend. Unerwartet, aber natürlich sofort als „hart erarbeitet“ verbucht.

Für zusätzliche "Unterhaltung" sorgte eine Porsche-Rallye, die an diesem Sonntag ebenfalls den Pass für sich entdeckt hatte. Statt Kuhglocken also Sechszylinder-Sound. Nicht ganz das alpine Idyll...

Die Abfahrt: schmal, kurvig, technisch – genau unser Ding. Danach ein kurzes Talstück über den kurzen aber "schecklichen" Col de Châtillon (741 m) bis Cluses zur Mittagspause. Viel Zeit zum Verdauen blieb allerdings nicht, denn direkt im Anschluss wartete der nächste Brocken: der Col de la Colombiere (1.618 m).

Mit rund 16 km und etwa 1.100 Höhenmetern ist er ein echter Tour-de-France-Klassiker – nicht wegen seiner Höhe, sondern wegen seines Charakters. Der Pass schneidet sich markant zwischen die Kalkmassive der Bornes-Alpen, flankiert von markanten Gipfeln wie der Pointe Percée, dem höchsten Berg dieser Kette. Gerade die obere Passage ist landschaftlich eindrucksvoll: schroffe Felswände und  offene Hänge. 

Der Einstieg ist noch moderat und angenehm schattig im Wald, doch je näher man dem Gipfel kommt, desto gleichmäßiger steil wird es – und der Schatten verabschiedet sich. Die Prozentzahlen klettern, die Gespräche verstummen, und der Fokus liegt irgendwann nur noch auf dem nächsten Tritt.


Unterwegs: viele Gleichgesinnte im Modus „kontrolliertes Leiden“. Ein kurzer Austausch mit ein paar deutschen Fahrern, dann wieder zurück in den eigenen Rhythmus. Der lief heute erstaunlich rund: Nach etwa 1,5 Stunden standen wir oben – allerdings mit komplett leeren Flaschen.

Das geplante Gipfelbier wurde daher demokratisch vertagt. Beschluss der Gruppe: Koffein und Kalorien lieber im Tal nachladen. Die folgende Abfahrt lieferte dafür reichlich Vorfreude 

– weite Ausblicke, schöne Bergsilhouetten und überraschend hübsche Orte für klassische Wintersportdestinationen. Darunter auch Le Grand-Bornand, so etwas wie das französische Biathlon-Mekka. Im Sommer wirkt die Anlage fast unscheinbar – kaum zu glauben, dass hier im Winter Weltcup-Atmosphäre herrscht.

Die Cappuccino- (und teilweise Bier-) Pause im Tal in Saint-Jean-de-Sixt war entsprechend verdient. 

Frische Energie für den letzten Anstieg des Tages: den Col des Aravis (1.486 m). 

Mit etwa 10 km Länge knapp 600 HM bei moderaten Steigungswerten eigentlich ein „freundlicher“ Pass – wäre da nicht seine Position am Ende der Etappe. Und wie immer gilt: Die letzten Höhenmeter haben ihren eigenen Charakter. 😟


Die abschließenden 12 Kilometer Abfahrt waren dann wieder reinstes Fahrvergnügen: Kurven, Flow, Tempo – nur unterbrochen von einer kleinen Gegensteigung, die sich nochmal kurz in die Beine gebissen hat. Dafür ging es durch eine beeindruckende Schlucht, was den kleinen Stich schnell relativierte. Zielort: Flumet.

Fazit des Tages: Ende gut, alles gut! 😀


Gefahrene Strecke (2. Etappe)




Kommentare

  1. Ihr seid Helden! Und eine Heldin! Respekt - mir haben schon 100 km mit EBike an der Donau gereicht 😎🙃 viel Spaß noch und schön vorsichtig fahren- und weiter schöne Bilder machen 👋 🚲 lg Susa

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  2. Merci pour le partage de votre tour de France. Magnifiques photos! Bravo, bravo pour vos performances 🚴🏼‍♂️. Bonne continuation

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  3. Eigentlich Kaiserwetter - nur 7 Grad kühler könnte es sein.... Hut ab vor der Leistung!

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  4. ...im Vergleich zu Euren letzten Touren könnte man auch schreiben: Je oller, je doller:-)

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    1. Das Alter muss ja irgendwie kompensiert werden 😅.

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