See in Türkis und Halbzeit auf 1.850 Metern

Etappe 3:  Drei grüne Pässe, ein See in Türkis und ein 1.000-Höhenmeter-Nachschlag

105 km mit 3450 HM 

Gefahrene Pässe:

Drei wunderschöne, sattgrüne Pässe, ein kitschig-türkisfarbener Stausee und eine Unterkunft auf stolzen 1.850 Metern: Etappe 3 markiert offiziell das Bergfest unserer Tour. Die Hälfte (ohne Bonus) ist geschafft!

Eigentlich wollten wir unsere morgendlichen Abläufe ja weiter optimieren. Irgendwas ungeplantes ist ja immer. Heute auf der Agenda: Eine zerbrochene Glasflasche in der Kühlbox, eine schlichtweg nicht mehr vorhandene Brücke, ein schwer zu findendes Passschild, ein versetztes Passschild und zu guter Letzt ein gerissener Schaltzug. Aber hey – die Stimmung im Team Gruppetto bleibt unerschütterlich!

Von unserem Startort Flumet (wo sich aus unserem Hotel ein witziger Ausblick bot)

ging es ohne Warmphase sofort in den Col des Saisies (1.650 m), der uns dafür richtig gut gefiel. 

Die 14,5 Kilometer mit gut 730 Höhenmetern (ca. 5,1 % im Schnitt) verliefen idyllisch im Wald und boten herrlich wenig Verkehr. 


Die Überraschung wartete oben: Das Skizentrum präsentierte sich im Sommerschlaf als riesiger Parkplatz und irgendwie mit einem Hauch von Rummelatmosphäre, so das das Col-Schild nicht von allen gefunden wurde... 😆

Die folgende Abfahrt vom Col des Saisies bot uns – wie schon am Vortag – einen genialen Blick auf das Mont-Blanc-Massiv, diesmal nur von der anderen Seite. 

Fast unten im Doron-Tal angekommen, lernten wir eine wichtige Lektion: Das „Route barrée“-Schild, das wir zuvor geflissentlich ignoriert hatten, gilt tatsächlich auch für Rennradfahrer. 

Die Brücke über den Fluss war schlichtweg abgerissen. Ergebnis: Knapp 2 Kilometer und100 Höhenmeter im Rückwärtsgang zurückbeordern und eine Alternativroute suchen.
In Beaufort waren wir 
wieder auf Kurs – exakt dort, wo das Filetstück des Tages begann: der Col du Pré . Was in Beaufort als normale Verkehrsstraße anfängt, 

wird hinter der Ortschaft Arches zu einer herrlich ruhigen, aber giftig steilen Rampe. 
Die Sonne meinte es wieder gut mit uns, und die 12,5 Kilometer mit knackigen 980 Höhenmetern und brutalen Spitzen von bis zu 11 % setzten uns ordentlich zu. Immerhin waren die Temperaturen im Vergleich zu den Vortagen erträglicher.


Am höchsten Punkt (1.748 m) angekommen, das nächste Drama: Kein Col-Schild für das obligatorische Beweisfoto in Sicht! Schließlich wurden wir einige Meter / Höhenmeter tiefer fündig (1703m). Also hieß es: zurück, kurz bergab rollen – wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier, und ohne eigenes Passfoto glaubt uns das ja keiner! 😉

Direkt hinter der Kuppe explodierte dann das Panorama: Vor uns lag der Lac de Roselend.


Ein Stausee mit so tiefem, türkisfarbenem Bergwasser, dass man fast an Kitsch-Überdosierung glauben könnte. Der perfekte Ort für unsere verdiente Mittagspause.
Frisch gestärkt folgten die finalen 7 Kilometer und rund 380 Höhenmeter hinauf zum majestätischen Cormet de Roselend (1.968 m), 

die uns wieder völlig neue Ausblicke spendierten. 



Die anschließende Abfahrt war ein dreigeteiltes Erlebnis: Oben Highspeed pur auf langen Geraden, 

im Mittelteil kurviges Kurven-Abtasten im Wald und unten so schlechter Belag, dass es uns die Freude etwas ausbremste.

Unten im Tal in Bourg-Saint-Maurice fühlte es sich an wie im Umluft-Backofen. Also schnell weiter nach Sées, um das System mit Cola und Kaffee herunterzukühlen.
In der Ursprungsplanung wäre hier eigentlich Feierabend gewesen. Da unser Chefplaner bei der Feinplanung im Tal aber beim besten Willen keine passende Unterkunft auftreiben konnte, musste Plan B her. Und der hieß: Einquartierung in La Rosière, das sich weit oben im Anstieg zum Kleiner Sankt Bernhard Pass befindet.

Die eigentlich kurze Etappe verlängerte sich dadurch um 20 Kilometer und satte 1.000 zusätzliche Höhenmeter nach oben! 

Zusammen mit unserem Brücken-Umweg standen am Ende stolze 105 Kilometer und 3.450 Höhenmeter auf dem Garmin. Die 20 Kilometer bergauf waren mit konstant 5 % Steigung zwar nicht dramatisch zu fahren, aber sie kosteten Körner und Zeit. Erst gegen 18:30 Uhr durften wir endlich das Feierabendbier zischen. 

Aber der Ausblick auf die majestätischen Gipfel, die absolute Ruhe und die Sommerfrische auf 1.850 Metern entschädigen für jeden einzelnen Extratritt!

Bernardiener am Kl. Sankt Bernhard


Gefahrene Strecke auf der 3. Etappe:




Kommentare

  1. Tolle Landschaften, super Leistungen!

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  2. 105 Kilometer, 3.450 Höhenmeter + Sommerhitze: Respekt! Aber die Landschaft und das tolle Panorama wird in Erinnerung bleiben, die erlittenen Schmerzen (...ich denke da z.B. an Eure Hintern...) werden in Vergessenheit geraten - die Zeit heilt alle Wunden:-) Übrigens: Echt super Fotos!

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