Punktlandung - Das perfekte Tour Finale am Lac

Etappe 6: Über den Vars zum Finale am Lac de Serre-Ponçon


Finale von Eygliers bei Guillestre nach Savines-le-Lac am Lac de Serre-Ponçon

113 km mit 2150 HM


Gefahrene Pässe:


Heute haben wir einfach alles richtig gemacht. Wir haben das große Finale unserer Tour mit Pausen und Fotostopps in vollen Zügen genossen, das Tempo auf der langen Abfahrt vom Col de Vars (2.109 m) hochgehalten und sind am Ende punktgenau gelandet: Wohlbehalten, glücklich und vor allem rechtzeitig vor dem dicken Nachmittagsgewitter haben wir unser großes Ziel, den Lac de Serre-Ponçon, erreicht. Was für ein Abschluss!
Gruppetto 2026 wohlbehalten am Lac de Serre-Ponçon angekommen

Die Abläufe am Morgen sind mittlerweile zwar Routine, aber der gestrige fette Regen forderte seinen Tribut: Die Räder brauchten dringend eine Extraportion Liebe und Kettenöl, was den Start etwas verzögerte. 

Beim Frühstück wurde außerdem ausgiebig über den gestrigen Blog-Post gelacht – nicht jedem im Team war der rheinische Hitzebegriff geläufig, sodass wir erst einmal die tiefe Bedeutung des Begriffs „der Lorenz“ (die unerbittlich brennende Sonne) aufklären mussten. 😂

Vom Hotel in Eygliers ging es über 
Guillestre direkt in den Col de Vars. Diesen Riesen hatte das Team Gruppetto bereits 2010 auf dem Programm. Damals war es allerdings die vorletzte Etappe eines unendlich langen Gewalttages. Heute sollte der Vars zwar der höchste Punkt, aber die gesamte Etappe ein echter Genießer-Ausklang werden.
Guillestre vom Vars aus gesehen

„Der Lorenz“ 🌞 stand natürlich wieder pünktlich Gewehr bei Fuß und kannte keine Gnade. Die Nordauffahrt ist ein echter Klassiker, der auch regelmäßig aus der 
Tour de France bekannt ist: rund 19 Kilometer, etwa 1.100 Höhenmeter und im Schnitt knapp 6 % Steigung. Ein gleichmäßiger Diesel-Anstieg ohne extreme Rampen – auch wenn es mal bis zu 10 % hochgeht –, aber lang genug, um ihn ernst zu nehmen. 


Der Charakter: stetig, offen und landschaftlich weit. Man findet hier gut seinen Rhythmus, solange der Puls nicht schneller steigt als die Temperatur.

Der Anstieg ist landschaftlich wunderschön, im Mittelteil kurz flacher, im Finale dafür wieder recht kernig. Nach den hässlichen Betonsilos des Skiorts Les Claux wurde es oben am kleinen Bergsee Lac de l'Eychauda herrlich idyllisch, 

bevor die Passhöhe auf 2.109 Metern erreicht war.
Team Gruppetto 2026 am Col de Vars

Team Gruppetto 2010 an Col de Vars


Oben gaben sich Rad- und Motorradfahrer am Passschild die Klinke in die Hand. Uns fiel direkt auf, wie sehr sich die Infrastruktur und der Parkplatz seit 2010 verändert haben – der Laden von damals ist mittlerweile geschlossen. Auf dem neu gestalteten Rastplatz packten wir kurzerhand unseren Campingtisch aus und zelebrierten das Mittagessen bei Kaiserwetter in grandioser Kulisse.

Es folgte die lange, schnelle Abfahrt vom 
Col de Vars in das Ubaye-Tal. 




Nach einigen Kilometern passierten wir den Abzweig zum mächtigen Col de la Bonette, den wir 2010 bezwungen hatten. 

Diesmal ließen wir ihn jedoch links liegen und gönnten uns erst einmal eine kalte Cola und ein Sport-Bier. 

Hinter Barcelonnette rollten wir weiter zügig im ICE-Tempo talauswärts, 


bevor der Kurs Richtung Saint-Vincent-les-Forts wieder anstieg. Das ist zwar kein offizieller Pass, aber ein ernstzunehmender Zwischenanstieg auf einen wehrhaften Aussichtsbalkon mit immer besseren Ausblicken.

Lac de Serre-Ponçon

Unser Routenplaner (zu dem Zeitpunkt unser Busfahrer) hatte dabei ein ganz besonderes Händchen für kleine Nebenstraßen: weniger Verkehr, schöne Dörfer dafür ab und zu eine kurze, giftige Rampe – also genau die Sorte „Abwechslung“, die man am sechsten Tag nicht zwingend braucht. Herzlichen Dank auch!

Die Abfahrt führte uns schließlich über den 
Canal EDF, wo wir die Durance überquerten.

 Am riesigen Wasserkraftwerk des Lac de Serre-Ponçon begann der finale Akt: der Col Lebraut von Les Celliers (1.110 m). Kein spektakulärer Hochalpenpass, aber als Schlussakkord perfekt gesetzt. Rund 8 Kilometer, meist moderat, aber in der Hitze und nach sechs Tagen doch so, um noch einmal alles abzurufen, ohne zu überziehen. Der See selbst ist übrigens ein echtes technisches und landschaftliches Highlight: Er entstand in den 1960er-Jahren durch die Aufstauung von Durance und Ubaye und ist heute einer der größten Stauseen Europas sowie ein gigantischer Energiespeicher.
Die riesige Staumauer des Lac de Serre-Ponçon

Die hastige Einnahme der letzten Energiegels vor der Rampe hatte wohl eher psychologische Gründe. Spoiler: Die Dinger mussten einfach weg, sind aber im heißen Finale nicht jedem Magen optimal bekommen (die mussten ja weg...). Auf dieser wunderschönen Balkonstraße feuerte „der Lorenz“ 🌞 noch einmal aus allen Rohren. Dafür konnten wir aber bei jedem Blick über die Schulter das grandiose Panorama des tiefblauen Sees in uns aufsaugen – zumindest unser Fotograf, der sich heldenhaft die Zeit dafür nahm.


Am Schild des **Col Lebraut** folgten Erleichterung, Stolz und das finale, kollektive „HAPPY-WIR-HABEN-ES-GESCHAFFT“-Gruppenfoto!
Letzter "offizieller" Pass - geschafft! :)

Danach hieß es nur noch: Kette rechts auf der kurzen Abfahrt hinab zum finalen Etappenziel, dem direkt am Seeufer gelegenen 
Village Club Les Hyvans. Und das Timing? Absolutes Spitzen-Niveau! Kurz vor der Passhöhe kamen die ersten Wolken, auf der Abfahrt fielen die ersten Tropfen, und exakt in dem Moment, als wir den letzten Koffer aus dem Bus geladen hatten, ging es los mit Blitz, Donner und sintflutartigem Regen. 

Timing kann man nicht trainieren, aber offenbar fahren!

Den Abend ließen wir nach dem verdienten Abendessen entspannt am Seeufer
 ausklingen. Bei der grandiosen Abendstimmung über dem Lac de Serre-Ponçon ließen wir die gefühlt 1.000 Erlebnisse, Pannen, Lacher und Höhenmeter der vergangenen sechs Tage Revue passieren. 

Was für eine geniale Reise mit einem Finale, das genau so funktionierte, wie man es sich vorab nur zu erträumen wagt.



Strecke der 6. Etappe:



Höhenprofil Etappe 6

Kommentare

  1. Super Fotos! Hat Spaß gemacht, die Tour de France zu folgeb 💪🏻💪🏻💪🏻

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