Höhe schützt vor Hitze – aber beschert Leiden mit Aussicht

Etappe 4: Col de l’Iseran (2.764 m) am heißesten Tag in Frankreich

Von La Rosière am Kleinen Sankt Bernhard Pass ins Piemont (Italien) nach Giaglione
117 km mit 2600 HM 

Gefahrene Pässe:

Ab heute geht es in die Riege der ganz Großen: Die 2.000er-Marke steht an – und das nicht nur heute, sondern auch in den kommenden Tagen! Wir fangen direkt ganz oben an: Der Col de l’Iseran ist nicht nur das absolute Dach unserer diesjährigen Radtour, sondern auch der höchste asphaltierte Durchgangspass der gesamten Alpen.

Blick vom Col de l’Iseran (2.764 m)

Sensation beim Team Gruppetto: Wir haben es heute tatsächlich geschafft, vor 9 Uhr im Sattel zu sitzen!
Ein Bernhardiner ist am Kl. Sankt Bernhard Pass überall präsent

Trotz unserer Übernachtung auf 1.850 Metern Höhe in La Rosière am Kleinen Sankt Bernhard Pass  war es morgens so mild, dass wir uns ganz ohne Windjacke in die Abfahrt stürzen konnten. 

Passend für uns wurde die Starße in "magenta" getaucht ;)

Die mühsam erkämpften Zusatz-Höhenmeter von gestern Abend bescherten uns so erst einmal feinsten Alpen-Genuss im Rollmodus – ganz ohne Anstrengung.

Unten im Tal hieß es dann: Kette rechts und flussaufwärts kurbeln. Entlang einer ziemlich breiten und stark befahrenen Straße (incl. vieler LKW) ging es vorbei am Lac du Chevril

Lac du Chevril mit Staumauer

Entlang des Lac du Chevril gab es einige Tunnel

Hängebrücke auf dem Weg Richtung Val-d’Isère

hinauf nach Val-d’Isère

Schöne Schlucht vor Val-d’Isère

Sagen wir es so: Der mondäne Skiort gewinnt im Sommer mit seinen gefühlt 100 Baustellen keinen Schönheitspreis. Aber hier beginnt das eigentliche Spektakel: die rund 16 Kilometer lange Nordauffahrt zum Iseran. Ab hier teilten wir uns den Asphalt vor allem mit Heerscharen anderer Radfahrer und dröhnenden Motorrädern.
Von weit oben sieht Val-d’Isère (unten) doch viel besser aus  ;)

Oberhalb der 2.000-Meter-Marke wurde es dann magisch: Hochalpine Kulisse, spektakuläre Ausblicke auf die noch teilweise mit Schnee bedeckten Riesen -

– und eine spürbar dünnere Luft, die das Kurbeln nicht unbedingt zum Spaziergang machte. Obwohl man das (ehemalige) Hospiz auf der Passhöhe gefühlt ewig im Blick hat, zogen sich die letzten Kilometer in den weiten Schleifen zäh wie Kaugummi dahin.


Während unten im französischen Flachland an diesem Tag der heißeste Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnung gemeldet wurde, hatten wir auf über 2.700 Metern echtes Glück: Angenehme 20 Grad bewogen uns dazu, auf der Passhöhe standesgemäß den Klapptisch für das Mittagsmenü aufzubauen. Höhe schützt vor Hitze – alles richtig gemacht!

Team Gruppetto 2026

Team Gruppetto 2010 (Basel - Nizza Tour)

Es folgte eine epische, ellenlange Abfahrt durch die Haute-Maurienne. 



Auf dem Weg nach unten passierten wir übrigens den Col de la Madeleine  1746m. Wer jetzt an den legendären Tour-Giganten denkt, wird enttäuscht: Es ist lediglich eine kleine, unscheinbare Kuppe am Straßenrand. Aber hey, wir nehmen das Passfoto trotzdem mit!

Col de la Madeleine  1746m (Die „Mogelpackung“ auf der’Iseran-Südabfahrt)


Team Gruppetto 2010

In Lanslebourg-Mont-Cenis war der Pflichtstopp im Café schnell erledigt, denn der nächste Brocken wartete: knapp 10 Kilometer und rund 600 Höhenmeter hinauf zum Col du Mont Cenis (2.081 m). 

Die Nordanfahrt führt zügig über die Baumgrenze, der Pass selbst ist eher unspektakulär von saftigen Kuhweiden umgeben.


Das eigentliche Highlight explodierte direkt dahinter: der tiefblaue Mont-Cenis-Stausee. Das Ding war weitaus gewaltiger, als wir alle gedacht hatten. 

Und der Weg am Ufer entlang entpuppte sich als fieses Wellenprofil – dieses ständige Auf und Ab zog am späten Nachmittag mehr Körner aus den Beinen als erwartet.


Kurz darauf überquerten wir die Grenze nach Italien 🇮🇹. 


Auf einer rasanten Abfahrt vernichteten wir im Tiefflug sämtliche Höhenmeter bis in unser Ziel nach Giaglione bei Susa im Piemont. Die engen, verwinkelten Gassen des Bergdorfs nötigten unserem Busfahrer Zentimeter-Arbeit und einiges an Schweißperlen ab, bevor er den Tourneo über eine breitere Alternativroute zu unserer Unterkunft  "La Via del Sole" manövrierte.

Da das Bergdorf kulinarisch im Tiefschlaf lag, fuhren wir abends ins nahe gelegene Städtchen Susa


Nach einem genialen Abendessen gab es das verdiente, weltklasse italienische Eis auf die Hand. 🍦


💬 Spruch des Tages:
„Ein Alpenpass ist nur eine sehr lange Diskussion zwischen Kopf und Beinen.“ 🚴⛰️

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Gefahrene Strecke:




Kommentare

  1. Was für eine traumhafte Strecke. Mit dem Fahrrad der Wahnsinn- mit einem (leisen) Motorrad sicher auch sehr schön. 😉

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