Heiß gestartet und nasskalt erwischt

Etappe 5: Vom Backofen in den Kühlschrank – Schmetterlinge, Schauer und schnelle Abfahrten

Von Giaglione bei Susa im Piemont (I) zurück nach Frankreich ins Ziel nach Eygliers bei Guillestre
126 km mit 2750 HM
Gefahrene Pässe:


Heute erlebten wir die radsportliche Wetter-Vollbedienung: den direkten Wechsel vom Umluft-Backofen am Vormittag in den Kühlschrank am Nachmittag. Ein heraufziehendes Gewitter bescherte uns auf dem Weg zum Col d Izoard einen fetten Regenguss. Aber Timing ist alles: Pünktlich vor der Passhöhe war der Spuk vorbei und das obligatorische Passfoto im Trockenen gesichert.


Dass es gut ist, mit den Einheimischen zu reden, bewies das Frühstück. Als unsere italienischen Gastgeber hörten, dass wir über den verkehrsreichen Col de Montgenevre (1.850 m) zurück nach Frankreich wollten, schüttelten sie nur den Kopf und rieten uns zum Col de l'Echelle (F) bzw. Colle della Scala (I). Ein genialer Vorschlag! Die Routenänderung wurde hastig in Komoot eingetippt und auf die Garmins synchronisiert. Dass wir dadurch „schon“ (oder eher: nur) 15 Minuten später als geplant im Sattel saßen, verbuchen wir als logistischen Erfolg.
An unserer Unterkunft  "La Via del Sole" 

Von Giaglione ging es unter lautem Grillenzirpen hinunter nach Susa und von dort flussaufwärts durch das Susa-Tal zurück Richtung Frankreich. 

Schneller als gedacht schaukelten sich die Temperaturen im engen Tal hoch und knackten mühelos die 30-Grad-Marke. Während wir uns hochkämpften, erspähten wir plötzlich auf einer Kuppe ein Passschild: den Colle Serre la Voûte 1099m. Den nehmen wir im Vorbeigehen natürlich gerne für die Sammlung mit!

Kaum waren die staubtrockenen Trinkflaschen im Seitental dringend wieder aufgetankt, bogen wir auch schon in den Col de l'Echelle (Colle della Scala) 1766m ein – und überquerten direkt mit den ersten flachen Metern die Grenze nach Frankreich.


Ab Bardonecchia (noch in Italien) zieht der Pass mit rund 6 Kilometern Länge und moderaten 4 bis 5 % durch wunderschöne, schattige Nadelwälder, oben, 


bietet aber im Finale eine kurze, knackige Rampe. Auch hier schmorte uns der Lorenz ordentlich im Saft, was uns aber nicht den Blick auf die wunderschönen Felsformationen vermiesen konnte. Oben angekommen, riefen wir spontan die Mittagspause aus. 

Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen, um der virtuellen Hitzeprognose für das Tal von Briançon zu entgehen. 
Unser mitgebrachtes Brot wird langsam hart, aber wir wissen uns zu helfen :)

Skurriler Nebeneffekt: Unsere salzigen, sportlichen Ausdünstungen wirkten auf die lokalen Schmetterlinge wie ein exklusives Parfüm – wir waren umschwärmt wie Rockstars.

Die Wetterprognose, die das Gewitter erst für den späten Nachmittag angekündigt hatte, erwies sich leider als extrem optimistisch. Kaum hatten wir das obligatorische Col-Foto gemacht ...

... und die ersten Meter der Abfahrt absolviert, klatschten die ersten dicken Tropfen auf den Asphalt. Am gegenüberliegenden Hang stand die Regenfront schon zu sehen. 

Also: Stop und Regenjacken raus!


Im strömenden Regen ging es hinunter zur Festungsstadt Briançon 

und direkt hinein in die mächtige Nordauffahrt des Col d Izoard (19 Kilometer, knapp 1.100 Höhenmeter bei soliden 5,8 % Durchschnittssteigung und giftigen Rampen von bis zu 10 %). 

Die Temperatur auf dem Garmin stürzte auf herbe 12 Grad ab – aber stetiges Kurbeln produziert bekanntlich zuverlässig Eigenwärme.

Irgendwann hatte Petrus ein Einsehen und drehte den Hahn zu. 

Als Belohnung schickte er uns allerdings nervige Schwärme von Fliegen, die uns im schweißtreibenden Anstieg begleiteten. 

Kurios: Im Gegensatz zu gestern stieg die Temperatur mit zunehmender Höhe wieder leicht an. 


Auf der Passhöhe auf 2.360 Metern angekommen, reichte es sogar bei den meisten für das Finisher-Foto in Kurzarm.

Die anschließende Abfahrt vom Col d Izoard durch die berühmte Casse Déserte war ein absoluter Traum. 


Diese karge, surreale Mondlandschaft mit ihren verwitterten Felsnadeln muss man einmal im Leben auf zwei Reifen durchrollt haben. 


Es folgte das grandiose Finale: die rasante / schnelle Schussfahrt durch das Queyras-Tal 

und die spektakulär engen, tief in den Fels geschnittenen Schluchten der Gorges du Guil 



bis in unser Ziel nach Eygliers bei Guillestre.


Beim hochverdienten Feierabendbier wanderte der Blick auf den Datenbildschirmen schon weiter: Morgen wartet die letzte reguläre Etappe auf das Team Gruppetto!


💬 Sprüche des Tages:

(Ein optimistischer Blick auf die Wetter-App auf der Passhöhe des Col de l’Échelle)
  • „Keine Sorge, laut Regenradar bleibt es noch gut zwei Stunden trocken.“
    – Gefühlt zwei Minuten später öffnete der Himmel sämtliche Schleusen. 🌧️🧐

  • „Lass uns lieber hier oben im Kühlen Pause machen, im Tal gehst du heute ein.
    – Kaum war das Brot aufgegessen, war die Sonne weg und der Wolkenbruch da. 🤷‍♂️🌩️

Strecke der 5. Etappe:



Kommentare

  1. Tolle Tour und schöner Bericht. Hut ab vor der Leistung bei den Temperaturen. 👏👏

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  2. Wirklich Hammer: Wahnsinns-Tour, irre Leistung und professionelle Tour Berichterstattung - man bekommt direkt Lust darauf, selber loszufahren... aber wahrscheinlich würde ich schon am ersten Tag platzen, wie ein Würstchen auf dem Grill...😬 Grüße an die Helden der Pässe! Bernd

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