Finisher-Lounge - Zwischen Regeneration und Bonusaktivitäten

Abschluss nach 6 Rad-Etappen am Lac de Serre-Ponçon mit horizontaler Regeneration und Bonusrunden

Nach sechs harten Etappen im Sattel stand endlich die wohlverdiente Finisher Lounge im direkt am Seeufer gelegenen Village Club Les Hyvans auf dem Programm. 


Der erste Tag (Freitag) wurde als echte, kompromisslose active Regeneration genutzt. In der Praxis sah das so aus: Wir haben uns im hoteleigenen Strandbereich des Hotel kollektiv auf den Liegen breitgemacht und die beanspruchte Muskulatur gepflegt. 

Ein paar ganz Unerschrockene nutzten den eiskalten Lac sogar für eine Runde Kältetherapie zur Muskelentspannung. Da unser Basecamp ohnehin schön abgeschieden irgendwo im Nirgendwo liegt, waren die Ablenkungsfaktoren minimal – perfektes Komfortzonen-Caching also.

Am zweiten Tag (Samstag) juckte es dann aber doch wieder in den Beinen. Schließlich gilt im Team Gruppetto an den Abschlusstagen im Ziel die traditionelle Devise: Freie Fahrt für freie Bürger! Jeder tut das, wonach **Lust und Laune** verlangen.

Das Peloton teilte sich folgerichtig in drei strategische Gruppen auf:

1. **Die Bergziegen:
  • Unser Chefplaner hatte eine lange Bonusrunde über drei zusätzliche Pässe serviert – ideal für alle, die noch nicht genug Höhenmeter gefressen hatten. Hier war klar: Der Lorenz würde heute wieder gnadenlos brennen.
 2. **Die Rouleure (Kurz & knackig):
  • Eine Seerunde, keine gemütliche Kaffeefahrt, sondern eine kurze, knackige Runde um den See. Hier hieß es: Höhenmeter auf der Küstenstraße und ein Pass drücken  – während auch hier der Lorenz von oben zusätzlich einheizte.
 3. **Die Wasserratten (Wasseraffin & schattig):
  • Komplettes Kontrastprogramm auf und im See. Erst im eiskalten Wasser die brennenden Oberschenkel kühlen, danach aktives Kraftausdauertraining beim Tretboot-Ballern. Der unschlagbare Vorteil: der Lorenz wurde hier elegant ins Leere laufen gelassen.

Alle drei Optionen wurden gefeiert, und wie es sich gehört, hatte am Abend an der Bar jeder die besten Storys parat: 

**Erlebnisse der Wasserratten: Käpt’n Mica und das Tretboot-U-Boot**
Während der Rest des Teams noch überlegte, wie man den Lorenz am besten austrickst, war Mica längst im Element. Zum Warmwerden spulte sie erst einmal **2,5 Kilometer Freiwasserschwimmen** im glasklaren Lac de Serre-Ponçon ab – stilecht im Neoprenanzug und mit Sicherheitsboje. 


Als anschließende „Erholungsmaßnahme“ sollte es dann eine entspannte Runde mit dem hoteleigenen Tretboot sein.
Die französische Küstenwache vor Ort nahm ihren Job allerdings bürokratisch genau: Schwimmweste? Absolute Pflicht. Innerhalb der weißen Bojenlinie bleiben? Lebenswichtiges Gesetz! Mica nickte höflich, trat aber einfach entspannt weiter in die Pedale. Wer kurz zuvor den halben See im Kraulstil durchquert hat, lässt sich von ein paar Plastikbojen schließlich nicht die Route diktieren.

Das sah der französische Hafenmeister im Motorboot allerdings anders. Mit lautem Geschrei und aufheulendem Motor nahm er die Verfolgung auf, raste herbei und hakte das Abschleppseil kurzerhand vorne am Bug des Tretboots ein. Dann gab er Vollgas. Fehler im System: Durch den extremen Zug verwandelte sich das Tretboot augenblicklich in ein U-Boot, weil der Bug massiv Wasser schöpfte. Also Kommando zurück, Schleppstopp und schneller Umbau: Beim zweiten Versuch wurde das Seil seitlich fixiert. Mica fragte trocken: „Soll ich jetzt vielleicht das Motorboot ziehen?“
Leider war der französische Seebär komplett humorfrei. Er schleppte das Team-Gruppetto-Sonderkommando wortkarg bis exakt an die erlaubte Bojenlinie zurück und entließ Mica dort wieder in die Freiheit. Immerhin: Es gab keine Strafzettel – dafür eine Story, die das eigentliche Schwimmtraining locker in den Schatten stellte! 🚤😂


### **Erlebnisse der Bergziegen: Die Drei-Pässe-Königskönigsetappe (Cayolle – Champs – Allos)**

Für die Fraktion „Höhenmeter-Sucht“ gab es heute kein Halten mehr: Eine saubere **3-Pässe-Runde über die legendäre „Trois Cols“-Schleife**. Das Profil des Tages? Extrem digital: Es gab nur aufwärts oder abwärts!

117km mit 3200HM

#### **Akt 1: Die unendliche Einsamkeit am Col de Cayolle 2.326m**
Von Barcelonnette (1.130 m) starteten wir direkt in eine der landschaftlich epischsten Rundtouren der Westalpen. Den Auftakt bildete die knapp 30 Kilometer lange, sanfte Auffahrt durch die wilde, tief eingeschnittene Bachelard-Schlucht. 

Hier galt das abgewandelte Gruppetto-Sprichwort: *„Die Trinkflasche geht so lange zum Brunnen, bis sie voll ist.“* Ohne unseren Begleitbus im Nacken mutierten wir zu Brunnen-Spionen und nutzten jede dörfliche Wasserstelle, um den staubtrockenen Kehlen zuvorzukommen. 

Je höher wir kurbelten, desto karger und alpiner wurde die majestätische Kulisse des Mercantour-Nationalparks, 

bis wir schließlich die Passhöhe des **Col de Cayolle 2.326m** erreichten. 

Ein absoluter Traum-Pass, der sich nie wirklich steil in den Himmel schraubt, sondern einfach nur pure Radsport-Romantik bietet.

#### **Akt 2: Der ruppige Charakter des Col des Champs 2.087m (Ostauffahrt)**

Nach einer sensationellen, flüssigen Abfahrt hinab nach Saint-Martin-d'Entraunes (1.045 m) hieß es sofort wieder: Kette links! Der zweite Riese wartete: der rund 16 Kilometer lange Col des Champs 2.087m

Im Gegensatz zu anderen Pässen gibt es hier kein langes Warmrollen. Die schmale, verlassene Straße zieht von Beginn an unbarmherzig an und schlängelt sich in engen Serpentinen knackig durch den dichten Wald. Hier hieß es: Rhythmus finden auf konstant hohem Niveau. 

Ihr wahres Gesicht zeigte der Col des Champs dann auf den letzten 5 Kilometern: Während sich die Bäume langsam lichteten und den Blick auf die majestätischen Felsnadeln der Aiguilles de Pelens freigaben, zog die Steigung noch einmal richtig an. 

Die Prozentanzeige auf dem Radcomputer kletterte munter in Richtung der 9-Prozent-Marke und 12% in der Spitze – ein absolut forderndes Finale, bei dem der Lorenz 🌞 uns gnädig war.

Oben am Pass grüßte uns nicht nur eine grandiose Aussicht, sondern auch das Denkmal für die französische Radsport-Legende **Bernard Thévenet** – ein Ort wie gemalt für Radsport-Nostalgie.

Auf der darauffolgenden Abfahrt meldete der Magen dringenden Reparaturbedarf an. 

Wie gerufen tauchte mitten im Nirgendwo der Abfahrt eine perfekt gelegene Hütte auf. Die aufgeweckten Jungs des Hüttenchefs servierten uns genau das, was der erschöpfte Radlerkörper jetzt brauchte: Espresso, deftige Sandwiches und eiskaltes *Panaché* (Radler). Die perfekte Stärkung für das Finale!




#### **Akt 3: Der schmale Schlussakkord am Col d Allos 2.247m, Südauffahrt**

Unten im oberen Verdon-Tal angekommen, bogen wir in den 23 Kilometer langen Schlussanstieg ein. 

Hinter dem Bergdorf Allos begann der ca. 15 Kilometer lange, schmale Schlussakkord hinauf zum Col d Allos 2.247m.

Bis zum letzten Skiort, La Foux d'Allos, rollte es sich auf der noch breiten Straße recht unspektakulär dahin, doch hinter der Wintersportstation änderte sich die Szenerie schlagartig.

Auf den letzten 5 Kilometern zeigte der Col d Allos dann sein wahres Gesicht: Die Straße verengt sich dramatisch und windet sich spektakulär wie ein schmales Band direkt an den dem Berg entlang – fahrtechnisch ein absoluter Genuss, bei dem die Straße förmlich am Hang klebt.

Oben angekommen, trauten wir unseren Augen kaum: Uns erwartete das w
ahrscheinlich schönste, modernste und stylischste Col-Schild, das wir auf dieser Tour (oder überhaupt jemals) gesehen haben! Ein würdiger Ort für den letzten Col der Woche.

Die Belohnung für die Schinderei war eine knapp 20 Kilometer lange, serpentinenreiche Finalabfahrt zurück nach Barcelonnette. Der wellige, unebene Straßenbelag forderte noch einmal höchste Konzentration von den müden Armen. Für eine willkommene Auflockerung sorgte unterwegs eine tiefenentspannte Ziegenherde, die ganz klar die Vorfahrtsrechte für sich beanspruchte. 

Nachdem wir das tierische Peloton passiert hatten, rollten wir glücklich im Talkessel von Barcelonnette ein. Ab auf den Fahrradträger des Busses und im ICE-Tempo zurück in unsere wohlverdiente **Finisher-Lounge** am See!

### **Erlebnisse der Radrunde am See: Der vermeintliche „Kurz-und-knackig“-Giro**

Der Plan klang in der Theorie eigentlich ganz vernünftig: Eine feine Runde direkt vom Hotel aus, die zwar ein paar Höhenmeter im Profil hat, aber deutlich kürzer und weniger zerstörerisch ausfallen sollte als das Monsterprogramm der Bergziegen.

78km mit 1800 HM
 Also fix in Komoot zusammengestrickt, Garmin geladen und Abfahrt!
Zum Einstieg ging es direkt über unseren gestrigen Finalgegner, den **Col Lebraut (1.110 m)** – diesmal allerdings von der anderen Seite bezwungen. 

Nach der Abfahrt wechselten wir auf das gegenüberliegende Seeufer, wo der eigentliche Scharfrichter des Tages lauerte: der **Col de Pontis (1.158 m)**.

Was bei der schnellen digitalen Routenplanung wohl dezent übersehen wurde, war die gnadenlose Charakteristik dieses Passes. Auf einer Länge von gerade einmal **5 Kilometern ballert der Pontis mit einer mörderischen Durchschnittssteigung von knapp 10 %** nach oben – inklusive fieser Rampen, die stellenweise die **12 %-Marke** knacken! 

Während des hochquälen, gab der Lorenz 🌞 natürlich wieder alles und mutierte zum mobilen Solarium. Ein echter Systemschock für die Beine. Umso größer war die Erleichterung, als kurz hinter der Passhöhe ein Dorfbrunnen auftauchte: Die perfekte Oase für eine provisorische Kühlung und den obligatorischen Flaschen-Refill. 🚰

Der finale Rückweg von Savines-le-Lac über Chorges zog sich danach noch einmal wie Kaugummi. 
Chorges

Obwohl hier kein offizieller Pass mehr im Weg stand, tat jeder Hügel nach sechs Tagen Dauereinsatz doppelt weh. Aber letztendlich hieß es wie immer: Zähne zusammenbeißen und durch! Am Ende standen ein breites Grinsen, brennende Oberschenkel und ein weiterer, verdammt hart verdienter Pass in der Gruppetto-Sammlung. 😄

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​Der Abend brachte das gesamte Team Gruppetto wieder an der Bar zusammen: Zeit für den großen Austausch der heutigen Storys und ein episches Resümee einer genialen Radsport-Woche!!



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